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Bonn-News : Trotzige Mythen, Schattenwelten, Bühnen aus Licht
am 30.04.2009 10:53 (846 x gelesen)

In der Bonner Rheinvilla Ingenohl ist die Ausstellung „Eine Höhle für Platon“ zu sehen

Bonn. Fische schwimmen hinter Fensterscheiben, unter Wasser tobt ein Sturm, Spiegel führen in die Unendlichkeit und Worte aus Licht hinterlassen leuchtende Spuren auf Wänden, Decke und Boden. Mediale Installationen, inszenierte Schattenwelten und „architektonische Täuschungsmanöver“ verwandeln das Innere der Bonner Rheinvilla Ingenohl in einen Ort, an dem nur Weniges das ist, was es zu sein scheint. Für das Kunstprojekt „Eine Höhle für Platon“ haben Jürgen Albrecht, Harald Fuchs, Carsten Gliese, Andreas M. Kaufmann, Mischa Kuball, Vollrad Kutscher und Max Sudhues aufwendige, neue Arbeiten entwickelt, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Wahrnehmung und Täuschung, Realität und Illusion und mit Fragen nach Erkenntnis auseinandersetzen.

„Visuelle Manipulationen, digitale Bilderfluten und virtuelle Scheinwelten sind für uns längst alltäglich und selbstverständlich geworden“, sagt Ingrid Raschke-Stuwe, Kuratorin des Projekts und Vorstand der Montag Stiftung Bildende Kunst. „Umso mehr sind Fragen, wie sie das Höhlengleichnis des griechischen Philosophen Platon aufwirft heute aktuell.“

In Platons Parabel nehmen Menschen, die von Kind an in einer dunklen Höhle festgebunden sind, das Geschehen in der Außenwelt nur als unscharfe Schatten wahr, hervorgerufen durch ein flackerndes Feuer. Die Gefangenen können nur diese Schattenbilder sehen und halten sie für die Realität.

Ausstellung, Diskussionen, Experimente

Täuschungen gehören zu den grundlegenden Erfahrungen des Menschen, im öffentlichen Leben, in Politik und Wirtschaft, im individuellen Bereich der Wahrnehmung und beim zwischenmenschlichen Umgang. Wie im Platonischen Höhlengleichnis, das von den Schatten der Erscheinungen zu den Ideen gelangt, ist dabei manche (Ent-)Täuschung vorprogrammiert – nämlich in der Erkenntnis, was Täuschungen ausmacht und wie sie funktionieren. Um diesen Themenkomplex geht es nicht nur in der Ausstellung, sondern auch bei der zweiteiligen, interdisziplinären Vortrags- und Diskussionsveranstaltung (ENT-)TÄUSCHT! Sie findet am 6. und am 13. Juni, jeweils von 15 bis 19 Uhr, am Bonner Sitz der Montag Stiftung Bildende Kunst, in der Villa Prieger statt. Die Referenten sind: Prof. Dr. Rafael Capurro, Institut für Informationsethik, Steinbeis Hochschule Berlin; Dipl.Ing. Dr. Wolfgang Koelbl, Architekt und Theoretiker, Wien; Prof. Dr. Klaus Lunau, Zoologe, AG Sinnesökologie, Universität Düsseldorf; Prof. Dr. Hans Ulrich Reck, Philosoph, Kunstwissenschaftler, Publizist, Kunsthochschule für Medien Köln; Dr. Susanne Schulte, Literaturwissenschaftlerin, Geschäftsführerin der GWK, Münster und die Privatdozentin Dr. Renate Volbert, Fachpsychologin für Rechtspsychologie, Charité Berlin.
Wahrnehmung, Irritation und die Veränderung von Sehgewohnheiten sind - in Anlehnung an das Bonner Kunstprojekt – auch Themen einer Kooperation der Montag Stiftung Bildende Kunst mit Studenten des Künstlers Mischa Kuball und des Kunsttheoretikers Prof. Dr. Hans Ulrich Reck im Rahmen des „-1/MinusEins/Experimaltlabors“ der Kunsthochschule für Medien Köln. Die Ergebnisse des Projektes werden im Herbst 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Montag Stiftung Bildende Kunst

Seit mehr als zehn Jahren führt die Montag Stiftung Bildende Kunst speziell auf den jeweiligen Ort bezogene Kunstprojekte im öffentlichen und temporär öffentlichen Raum durch. Mit den Mitteln der zeitgenössischen bildenden Kunst werden so periphere, vergessene und oftmals vernachlässigte Stadt- oder Landschaftsräume in den Fokus einer überregionalen Öffentlichkeit gerückt. Diese zeitlich begrenzten Projekte sollen zum Dialog Kunst – Gesellschaft beitragen. Die Stiftung, mit Sitz in Bonn, agiert bundesweit und geht Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen und staatlichen Institutionen ein. Mit Symposienreihen und praxisbezogenen Werkstätten, die die akademische Kunstausbildung, die Vermittlung von zeitgenössischer bildender Kunst oder die kuratorische Praxis zum Thema haben, leistet sie - gemeinsam mit ihren Partnern - einen Beitrag zur Überwindung der Diskrepanz von Theorie und Praxis.

Weitere Informationen unter: www.montag-stiftungen.com/platon

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